Abenteuer im Schnee

Wie so einigen aus der Münchner Gegend (naja und eigentlich auch ganz Deutschland) bekannt sein dürfte, hat es in den letzten Wochen massiv geschneit. Und natürlich ärgert sich mal wieder jeder Pendler, dass der Zug nicht kommt. Wobei ich selbst als Pendler zugeben muss: es ist eigentlich halb so schlimm gewesen, wie alle immer tun.

Trotzdem hab ich das ein oder andere Abenteuer selbst erleben müssen – so zum Beispiel letzten Mittwoch. Ich hatte mich abends noch mit nem Kollegen ausm zweiten Lehrjahr zum Bowlen in Augsburg getroffen am Abend. Hingekommen bin ich ganz gut, Zug hatte nur etwa 15 Minuten Verspätung. Hatte dann absichtlich nicht den letzten Zug um 23:38 in Augsburg genommen, sondern zwei Stunden früher, weil ich dachte, dass ich dann noch ein wenig mehr Schlaf bekomme. Also pünktlich los gemacht zum Hauptbahnhof in Augsburg. Im Empfangsgebäude angekommen fiel mein Blick sofort auf die Abfahrtstafel. Da war die Rede von 60, 40, 120, 20, 50 Minuten Verspätung und so weiter. Aber zu meinem Erstaunen stand bei meiner Regionalbahn nur 5 Minuten Verspätung. Prima, dachte ich mir, das reicht gerade noch, um mir bei Yorma’s einen Kaffee zu holen und den gemütlich im Zug zu schlürfen.

Also los gings zum Gleis 8, wo ich feststellen musste, dass der Zug schon da steht, noch vor der Plan-Abfahrt. Aber ist ziemlich logisch, denn der eine Teil dort wartet ja noch auf den zweiten Teil aus Richtung Ulm oder Treuchtlingen. Da es aber ziemlich kalt war und ich meine 7 kg-Bowlingausrüstung dabei hatte, bin ich einfach gleich in den ersten Teil rein. Da drin wars wenigstens schön warm. Nunja, die 5 Minuten Verspätung verstrichen, wir standen und standen. Irgendwann rummste es, was sich dadurch erklären ließ, dass der zweite Teil aufkuppelte. Zu meiner Verwirrung rummste es kurz drauf aber nocheinmal. Grund? Die üblichen Kuppel-Probleme der Baureihe 440. Vor allem bei dem Eis ist es eher weniger verwunderlich. Der Münchner S-Bahn scheint es nur komischerweise praktisch kaum was auszumachen. Meine Vermutung bestätigte sich kurz darauf mit einer Durchsage des Zugbegleiters. Irgendwann ging es dann doch mal weiter – mit stolzen 17 Minuten Verspätung.

Netterweise sagte der Zugbegleiter sofort durch, wenn jemand in München einen Anschluss benötige, solle er es ihm nachher unbedingt sagen, wenn er durch den Zug geht. Trotzdem ging es mit den Problemen scheinbar immer weiter. Man hatte schon die ganze Zugfahrt über eine sehr unruhige Fahrweise bemerken können – was ziemlich sicher am heftigen Schneefall gelegen hat, da kommt auch die Eisenbahn sehr schnell ins Rutschen. So dann auch in Mering-St. Afra. Ich saß am Fenster und sah auf die Strecke hinaus und dann eben auch den Bahnsteig von Mering-St. Afra (doofer Bahnhofsname irgendwie). Der Lokführer war natürlich am Bremsen – und das nicht zu wenig, bei den sehr schlüpfrigen Schienen. Irgendwann sah ich den Bahnsteig jedoch nicht mehr. Was ist passiert? Ich seh nach hinten: da war das Ende vom Bahnsteig. Der Zug ist volle 35 Meter über die Bahnsteigkante hinaus geschossen. Zur großen Verwunderung der Fahrgäste ging es auf einmal rückwärts und die Türen öffneten sich doch noch. Weiter ging es in einem deutlich sanfterem Fahrstil Richtung Mering. Dort hat uns noch ein InterCity überholt und wir sind dahinter gefahren. Erneute Durchsage des Zugbegleiters: “Verehrte Fahrgäste, ich bitte dringend um Ihre Aufmerksamkeit. Aufgrund der Witterungsverhältnisse in ganz Bayern kommt es derzeit zu hohen Verspätungen und Zugausfällen. Und genau aus diesem Grund haben wir auf unserer Strecke leider noch einen eingefrorene Weiche, deswegen können wir heute leider NICHT den Bahnhof Mammendorf anfahren. Der Halt in Mammendorf muss heute leider entfallen. Fahrgäste, die dort aussteigen wollten, bleiben bitte bis München-Pasing im Zug und steigen dort auf Gleis 7 in die S3 nach Mammendorf um. Natürlich sind Ihre Fahrkarten auf dieser Strecke noch gültig. Ich weiß, dass hier nur alle zwei Stunden ein Zug hält, aber leider gibt es keine Alternative, tut mir leid, ich bitte um Verständnis!”

Selten war ich so begeistert nach einer Durchsage. Aber was blieb mir anderes übrig. Als wir dann durch Mammendorf durchgebrettert sind, wusste ich wieso: das Gleis war komplett zugeschneit, einfach nichts mehr zu sehen davon. Als wir dann in Pasing angekommen sind hieß es “Ausstieg in Fahrtrichtung rechts” – hä? Gleis 9? Ja, Gleis 9. Wieso? Weil ein halber ICE 2 auf Gleis 8 stand – und das scheinbar schon ziemlich lange, denn er war komplett zugeschneit, obwohl die Spitzenlichter Richtung Augsburg leuchteten. Glücklicherweise erwischte ich eine verspätete S3 in Pasing. Verspätungen müssen nicht immer schlecht sein ;-)

Endlich in Mammendorf angekommen hab ich mir dann mal den Bahnhof angesehen und ein paar Fotos gemacht (siehe unten). Ziemlich verständlich, warum es so ein Chaos gab. Aber immerhin, ich war sicher zu Hause – und der Spaziergang nach Hause durch den Schnee war auch ganz schön :-)

Grüße,
Wozzap

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