Zukunft der DB in Südbayern – Service ein Hindernis?

Weihnachtszeit ist Bloggingzeit – bei dem Wetter geht man ja nicht freiwillig vor die Tür!

Stattdessen möchte ich hier mal ein wenig spekulieren, wie es der DB in den nächsten Jahren in Südbayern wohl gehen wird. Weswegen? Wegen dem herben Rückschlag durch den Verlust des E-Netzes Rosenheim – ganz großes Thema hier derzeit.

Eigentlich gibt es ja sogar einiges zu feiern, wenn man mal nach Nürnberg blickt. Seit heute zum Fahrplanwechsel ist hier das S-Bahnnetz um das dreifache gewachsen – das passiert ja nun wirklich nicht alle Tage. Bis Hartmannshof, Altdorf, Neumarkt (in der Oberpfalz), Roth, Ansbach und Bamberg gibt es dort jetzt S-Bahn-Linien ausgehend von Nürnberg Hbf. Trotzdem wird dort nicht gefeiert, weil einiges noch nicht so läuft, wie man es sich gewünscht hat – die tollen neuen Fahrzeuge von Bombardier (Talent 2 – DBAG-Baureihe 442; Nachfolger der BR 440) sind nicht rechtzeitig durch die Zulassung gekommen – hat auch im Ruhrgebiet dazu geführt, dass dort vorerst noch Doppelstock-Garnituren unterwegs sein werden. Dann gleichen viele Bahnsteige, die man barrierefrei ausrüsten will noch reinen Provisorien und wirklich dichter ist der Takt auf den Strecken auch nicht geworden.

Ein weiterer Erfolg der DB ist der Gewinn des Werdenfels-Netzes ab 2013. Hier sollen ebenfalls die neuen Talent 2 fahren – wenn sie denn mal fahrbereit wären. Das Netz der BOB (Bayerische Oberlandbahn) Richtung Tegernsee wird 2013 neu ausgeschrieben durch die BEG. Hier scheint die Bahn wieder großes Interesse zu haben – jedoch setzen sich die hiesigen Bürgermeister dafür ein, dass die BOB (Tochtergesellschaft der Veolia) weiterhin das Netz bedienen wird – auch ganz ohne Ausschreibung. Nach großen Anlaufschwierigkeiten hat die BOB in der Region mittlterweile ein sehr positives Image gewonnen.

Leider war’s das dann auch schon mit den halbwegs positiven Nachrichten. Die Verluste, die man in letzter Zeit einstecken musste, sind wirklich krass. Seit heute ist auch die Donautalbahn nicht mehr in den Händen der DB. Hier fährt das neu gegründete Unternehmen “agilis” (Tochterunternehmen der BeNEX und der Hamburger Hochbahn) mit Fahrzeugen der Baureihe 440 die Strecken ab.

Schon etwas länger sind die Strecken Augsburg – Ingolstadt und Augsburg – Schongau nicht im Besitz der Deutschen Bahn – hier fährt schon länger die Bayerische Regiobahn (kurz: BRB).

Die Strecken Lindau/Oberstdorf – München und München – Regensburg – Hof sind schon seit ein paar Jahren in den Händen von Arriva. Kurzzeitig war ja Arriva Eigentum der DB AG, weil sie das britische Unternehmen gekauft hatten – das Kartellamt hatte nur was dagegen, dass die DB das Deutschlandgeschäft von Arriva behält und so hat die italienische Staatsbahn vor kurzem den Zuschlag erhalten.

Der derzeit größte Wermutstropfen dürfte aber wohl das vorhin schon angesprochene E-Netz Rosenheim sein. Die Züge dieser Strecken waren bisher in den Fahrzeugen der Deutschen Bahn immer sehr ausgelastet (nach eigenen Erfahrungen). Zeitgleich ist es heftig eine so ertragreiche Strecke wie München – Salzburg zu verlieren. Neuer Betreiber ab 2013 wird hier ebenfalls Veolia sein. Die fassen hier ja sehr gut Fuß in Bayern. Und irgendwie machen sie es besser als die DB – geht man von der allgemeinen Stimmung der Anwohner an den Strecken aus. Was sind da die Gründe?

Wie im Titel schon angesprochen wird, ist der Service gar nicht so unbedeutend, wenn nicht sogar ausschlaggebend. Beispiel Arriva mit dem ALEX nach Lindau und Hof: ich bin hier selbst schon des Öfteren gefahren und war immer höchst zufrieden. Das hat jetzt nichts mit der Freundlichkeit der Mitarbeiter zu tun, da habe ich auch bei der DB nichts auszusetzen. Es ist das “Drumherum”. So findet sich in jedem ALEX ein Bordbistro mit gutem Kaffee für nicht einmal zwei Euro – in welchem Regionalzug der DB gibt es das denn? Okay, manchmal findet man wirklich “mobile Servicekräfte”, die im Zug Kaffee verkaufen – aber zu DB-Preisen. Und schon allein die Möglichkeit, im Zug die Fahrkarte kaufen zu können ohne Aufpreis kann manchmal wirklich sehr sinnvoll sein. Diese Möglichkeit hat die Bahn schon lange abgeschafft, die meisten Privatbahnen bieten das allerdings an – und kommen damit gut an. Schließlich zahlt man hier keine “Bordgebühr” als Aufpreis und wird nicht als halber Schwarzfahrer abgestempelt.

Es sind die kleinen Sachen, die der DB in meinen Augen fehlen. In früheren Zeiten gab es solche Sachen auch bei der DB, aber durch Sparmaßnahmen wurde all das wegrationalisiert. Es muss sich was ändern, definitiv. Der Bahn ist das mittlerweile selbst auch klar geworden – was sie daraus macht, wird sich wohl zeigen müssen. Aber, um die Verluste wieder zurückholen zu können, ist mehr nötig, als ständig die Fahrpreise zu erhöhen. In dem Sinne – abwarten und einen Kaffee im alex-treff trinken :D

Viele Grüße eines DB’lers,
Benedikt

Hinterlasse eine Antwort