Schwarzwald, die zweite!

Und wieder einmal ist es soweit – ich bin auf Tour durch den Süden Deutschlands, genauer gesagt durch den Schwarzwald.

Los ging es heute schon ganz früh kurz nach 6 Uhr morgens bei mir daheim mit dem Zug nach Augsburg. Dort angekommen noch einen Kaffee geholt, Geld abgehoben (man weiß ja nie^^) und dann gings weiter mit dem für heute einzigen Fernverkehrszug: der ICE 692 von Augsburg nach Stuttgart.

In Stuttgart hatte ich eigentlich vor, direkt nach Freudenstadt zu fahren. Allerdings bemerkte ich dann, dass mittlerweile die S60 in Stuttgart verlängert worden ist: die Strecke zwischen Renningen (S6; recht kurz vor dem Ende in Weil der Stadt) und Böblingen (S1) ist nun fertig gestellt worden und befahrbar. Zwar war hier ab Böblingen nach Maichingen über Sindelfingen bereits ein Pendelbetrieb mit einem 420 eingerichtet. Der Rest der Strecke nach Renningen existierte aber bloß für Leerreisen und dergleichen für die S-Bahn Stuttgart – kein öffentlicher Verkehr. Das hat direkt dazu verleitet, doch glatt einmal auf dieser Strecke zu fahren. Also auf mit der nächsten S6 nach Renningen, dort 20 Minuten bei Regen und Wind ausharren müssen, ging es weiter über die neuen Halte Renningen Süd, Magstadt und Maichingen Nord nach Böblingen.

Besonders spektakulär ist die Strecke absolut nicht. Typisch für neu- bzw. umgebaute Strecke sind hier kilometerweise Schallschutzwände, die einem die Sicht versperren (einziger positiver Punkt: grüne Farben und nicht nur schlichtes grau), Betonschwellen, sanfte Gleisbögen (bei der Bahn gibt es keine Kurven! :-D ) und ruhiger Fahrzeuglauf des ET 420. Letzteres ist auch das einzig positive an diesen Punkten.

Wie auch immer, anschließend hab ich mich in den RE von Stuttgart nach Singen gesetzt und bin damit bis Eutingen im Gäu gefahren, wo dann auch schon meine S41 mit einem Karlsruher Stadtbahnwagen wartete, um mich weiter Richtung Schwarzwald zu bringen. Genau gesagt bin ich mit dieser dann bis Freudenstadt Hbf gefahren. Hauptbahnhof ist sowieso etwas übertrieben dort, wie ich finde – aber es geht noch schlimmer. Deutschlands kleinster Hbf ist immerhin noch Deggendorf Hbf im Bayerischen Wald (beides immer einen Besuch wert!) mit gerade einmal 4 Gleisen. Davon sind zwei in Benutzung von der Waldbahn ab Plattling über Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein, Bodenmais und Grafenau – im Stundentakt allerdings nur. Ein Gleis ist immer frei und auf einem stehen regelmäßig Güterwagen. Mehr Verkehr (um auch wieder aufs Thema zu kommen :-D ) ist in Freundenstadt Hbf nun wirklich alle mal.

Von Freudenstadt aus ging es dann einmal durch den strömenden Regen auf die andere Seite des Bahnsteiges (der Weg kommt einem bei solch einem Wetter wie eine Ewigkeit vor – geht das Anderen auch so?) hinein in die mollig warme Ortenau S-Bahn. Die fahren dort mit einem RegioShuttle RS1 der Firma Stadler durch den Schwarzwald an der Kinzig entlang nach Hausach, wo die Strecke in die Schwarwaldbahn Richtung Offenburg mündet. Landschaftlich sehr reizvoll ist die Strecke bis Biberach(Baden) dann gewesen. Dort musste ich zwangsläufig eine Pause von fast einer Stunde einlegen, weil mein Anschlusszug nach Oberharmersbach-Riersbach blöd vertaktet ist. Der fährt zur Minute 36 ab, ich kam allerdings erst zur 40. Minute an.

Nachdem es dann gerade Mittagszeit war, versuchte ich, etwas Essbares dort zu finden. “AroundMe” und “Google Maps” am Handy versprachen schlechtes – nichts in Aussicht in der Nähe vom Bahnhof. Aber wer weiß, vielleicht irren die sich ja. Also auf den Weg gemacht Richtung Ortsinneres. Nachdem ich doch etwas enttäuscht vor einem überteuerten Restaurant gelandet bin, hab ich mir im örtlichen Edeka etwas gekauft und bin zurück zum Bahnhof gelaufen. Dort hieß es dann, mein Zug würde nicht von Gleis 7, sondern von Gleis 2 fahren. Alle haben auf den gewartet, sind aber nicht dort hin gelaufen. Ich konnte dann noch die Abfahrt einer Leerreise von 3 RegioShuttles Richtung Offenburg beobachten, der dritte ist sogar in Biberach erst bereitgestellt worden. Und scheinbar als Leerreise kam auch mein Zug nach Oberharmersbach-Riersbach an.

Und los geht’s! Als Doppeltraktion fuhren wir bis zum Ende der Strecke, wo ein planmäßiger Aufenthalt von 40 Minuten vorgesehen war. Mir schien nur, als ich den Gesprächen der Eisenbahner lauschte, dass hier irgendwas entkuppelt werden soll. Also sicherheitshalber auf den Bahnsteig gegangen. Da sprach mich auch schon einer der beiden in feinstem Schwäbisch an: “Oh – wo wolle se nor?”
Zum Glück bin ich mittlerweile an sowas gewohnt und wusste, was der gute Mann von mir wollte. Als ich ihm mit “nach Biberach zurück” antwortete schaute er mich verdutzt an und lachte: “Fafohre?! [zu Deutsch: Verfahren?]”
Solchesgleichen und merkwürdige Blicke von Lokführer/innen und Zugbegleiter/innen begegnen mir immer wieder bei solchen Aktionen – ich trags mit Humor :-D

Zurück in Biberach gings dann weiter mit der nächsten Ortenau S-Bahn über Offenburg durch nach Bad Griesbach(Schwarzwald). Eine wirklich schöne Strecke durch den Schwarzwald. Zurück ging es dann nur bis Appenweier, wo ich in einen RE der DB umgestiegen bin, um zwei Stationen nach Achern zu fahren. Dort ging es zum Schluss noch mit der SWEG (die Ortenau S-Bahn ist ein Tochterunternehmer der SWEG, deswegen auch so ein RegioShuttle auf der Strecke) nach Ottenhöfen und zurück.

Das war dann auch praktisch schon das Ende meiner Schwarzwaldtour. Ich bin dann noch mit dem nächsten IRE ins schöne Karlsruhe gefahren, wo ich dann die S-Bahn zu meiner besseren Hälfte genommen habe, wo ich auch bis ins neue Jahr bleiben werde. Spaß gemacht hat die Tour auf jeden Fall, wer sie nachfahren möchte, ist herzlich dazu eingeladen, sich von mir die genauen Fahrzeiten und Züge zu besorgen.

Viele Grüße,
Benedikt

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