Lachsfarben & oberkörperfrei

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Wir schreiben den Abend des Pfingstsonntag im Jahre 2013. Ich bin mal wieder unterwegs im “Ländle”, genauer gesagt an der ehemaligen badisch-württembergischen Grenze einige Kilometer westlich von Heilbronn.

Und wie es sich natürlich für meine Fahrten gehört, muss immer irgendwas außergewöhnliches passieren.
Okay, was mittlerweile schon mehr oder minder zum “Standard” gehört: der liebe Hendrik überraschte mich an meinem Heimatbahnhof, obwohl wir uns eigentlich nur in München noch spontan treffen wollten. Und um tarifliche Schwierigkeiten mit seiner MVV-Wochenkarte bei einer Kontrolle zu vermeiden, musste Zeit überbrückt werden. Was dazu führte, dass ich sehr angenehme Reisebegleitung bis Stuttgart hatte im ICE.

Die ICE-Fahrt selbst war ja schon bestens. War mit dem ICE 590 unterwegs, planmäßig ist das ein einzelner ICE 2-Halbzug. Ich habe seit Ewigkeiten keinen mehr mit altem Innendesign gesehen, was für mich also eine beschwerliche, weil unangenehme Reise (oh, wie ich die neuen Sitze hasse; erst recht die der zweiten Klasse!) bedeutet hätte. Aber was liest man da am Anzeiger? Geänderte Wagenreihung? Gleich mal nachsehen: oh, das ist ja ein ICE 3 heute! Und das schönste deswegen am Anzeiger: “Gesamter Zug ohne Reservierungen”. Was schließt der eifrige Bahnfahrer daraus? Freie* Platzwahl! Woohoo! *freu*

In Stuttgart ging es dann nach einem kurzen Stopp (der mir allerdings am Geldautomaten der BW Bank zu meinem ersten neuen 5-Euro-Schein verholfen hat) auch schon weiter mit dem RE Richtung Heilbronn. Gott sei Dank hab ich mir ein Ticket für die 1. Klasse dort geholt, das ist erfahrungsgemäß die richtigere Entscheidung (denn die Entscheidung überhaupt Bahn zu fahren ist immer richtig, hehe).

In Heilbronn knapp aber sicher am Bahnhofsvorplatz noch meine S4 Richtung Karlsruhe erwischt (ansonsten hätte ich eine Stunde warten müssen). Habe auch dort meinen Laptop wieder ausgepackt und bissl gesurft. Mir ist beim Einstieg schon eine Gruppe Jugendlicher aufgefallen, die schon gut einen sitzen hatten und rumalberten. Einer von ihnen hatte so ein Plastik-Regencape dabei, was man sich überziehen kann. Eine Art Ganzkörper-Kondom, fraglich ist nur, was man damit verhütet.

Jedenfalls hatte einer dann dieses Ding übergezogen gehabt und seine Kompanen machten einen auf “Modeberater” oder “Stilberater”. Er sollte dann noch das “kleine lachsfarbene” anprobieren. War wie das gelbe, nur eben so rosa. Einer sagte dann: “sehr schön, aber viel besser stelle ich es mir noch vor ohne T-Shirt. Dann noch einmal waschen und dann kannst du es sogar richtig tight tragen!”

Meine Gedanken: oh mann, jetzt wirds krass. Der Kerl in Plastik gehüllt begann in meinem Augenwinkel sich umständlich zu bewegen. Der wird doch jetzt nicht – ne… ne, oder? Oh Gott, er tut es tatsächlich. DAS wollte ich jetzt wirklich nicht sehen.

Tja, so saß er dann in der S-Bahn, stand ab und an mal auf und ich dachte mir nur: “bloß raus hier.” Die Blechelse schallte: “Nächter Halt Sulzfeld Bahnhof, der Zug hält nur bei Bedarf!” Oh, den Bedarf geb ich dir, aber ganz bestimmt! Bloß raus. Am Bahnsteig ganz vorsichtig noch ein Foto geschossen, damit man sich eine ungefähre Vorstellung machen kann von dem, was ich erlebt habe. Siehe Foto oben rechts.

Dieses traumatische Ereignis hab ich jetzt überwunden und bin bereit für neue Erlebnisse. Morgen geht es mal wieder in Richtung BaWü, mal sehen, was mich erwartet. Bis dahin sage ich mal…

Viele Grüße,
Benedikt

*natürlich unter Beachtung der Klasse und eventueller Pauschalreservierungen für Schwerbehinderte und/oder bahn.comfort-Kunden natürlich ;-)

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