Mönchengladbach ist das neue Hamburg

Der Münchner Hbf, Panorama bei Nacht in der Halle. Quelle: Wikipedia

Der Münchner Hbf, Panorama bei Nacht in der Halle. Quelle: Wikipedia

Alles begann mit einem Werbeplakat (zugegebenermaßen: ja, es hat gewirkt). Geworben wurde hier in München für den Hafengeburtstag 2013 in Hamburg. Nachdem ich schon etwas länger jemanden über die digitale Welt in Hamburg kenne, den ich nicht unattraktiv und nett finde, kam ich auf den Gedanken, da ich um die Zeit auch nicht arbeiten musste: ich könnte ja zum Beginn des Geburtstag (an Christi Himmelfahrt) nach Hamburg fahren.

Leider fiel mir erst sehr spät auf, dass es sich beim 09. Mai 2013 um einen Feiertag handelt. Deswegen musste ich sicherheitshalber doch noch eine Reservierung für die Zugfahrt machen. Geplant war, um 22:55 mit dem letzten ICE von München nach Nürnberg zu fahren, dort bis 1:17 zu warten und mit dem D 60490 (das ist ein einziger alter Wagen der DB an einem EuroNight der ÖBB nach Köln bzw. Hamburg; der wird in Nürnberg geteilt und ab dort kann man auch in dem Wagen mitfahren). Eine sehr kostengünstige Alternative zum Nachtzug, da er praktisch die gleiche Zeit benötigt und man sich die teure Reservierung spart. Dafür ist nur leider das Platzangebot auch sehr mager.

Nun, wie sich herausstellte, war dort nur noch ein Platz in der Mitte zu bekommen im Abteil. Ich wollte eigentlich am liebsten am Gang sitzen, alternativ auch Fenster. Aber Mitte hasse ich. Also gut, dann eben doch mit dem CNL fahren. Gesucht, gefunden, Buchung aufgerufen. Doof, alles reserviert. Aber wirklich restlos alles. Sitzwagen voll, Liegewagen voll, Schlafwagen voll. Sowohl in der zweiten, wie auch in der ersten (!) Klasse. DAS habe ich noch nie gesehen. Aber die Hammer kam erst noch. Ich bin ja nicht doof, dachte ich mir: dann eben mit dem Berliner Teil der CNL bis Braunschweig fahren und von dort mit einem IC weiter nach Hamburg, bin ich auch nicht viel später dran. Ebenfalls alles ausgebucht. Einfach unfassbar.

Etwas anderes musste her: der erste ICE von München nach Hamburg? Doof, schon schwer, dort einen Platz zu bekommen in der zweiten Klasse, wird also voll. Gut, wozu hab man eine BahnCard 50 First. Dann wird in Gottes Namen also in der ersten Klasse gefahren. Und gleich mal den Service ausgenutzt, wirklich genau bestimmen zu können, wo man sitzen will (da der ICE 886 planmäßig eine ICE 1-Garnitur ist, geht das) und einen Einzelplatz am Fenster in der ersten Klasse reserviert. Der Tag ist da, Abfahrt um 6:14 am Münchner Hbf, aufstehen um 4 Uhr, mit der ersten S-Bahn nach München fahren. Gedachte Ankunft dort: 5:43, jede Menge Puffer.

Auf nach München! Stehen gerade mit unserer wunderbar pünktlichen S-Bahn am Hirschgarten, wir stehen ungewöhnlich lange. Zu lange. Dann eine Durchsage:

Werte Fahrgäste, bitte beachten Sie: wegen Personen im Gleis zwischen der Hackerbrücke und dem Hauptbahnhof verzögert sich die Abfahrt unseres Zuges noch um einige Minuten. Ich wiederhole: […]

Der Todesstoß. Das dauert. Zu lange wird das dauern. Und genau so war es auch, ich habe meinen ICE verpasst. Was nun? Reservierung futsch, noch eine Stunde später nach Hamburg fahren? Dann habe ich fast gar keine Zeit mehr dort, bevor ich wieder zurück muss. Richtig, richtig doof. Und zu all dem Übel kommt noch dazu: mein Tagesticket (mit dem ich durch Deutschland immer fahre), habe ich ja bereits gültig gemacht mit dem Datum. Ich war echt mies gelaunt, wäre am liebsten wieder nach Hause und hätte gepennt. Aber das Ticket! Das verfällt ja dann. Eine Lösung muss her. Die bot sich dann etwas später mit dem nicht so voll besetzten ICE 728 über Frankfurt, Köln nach Dortmund. Also: einsteigen!

Frankfurt Hbf; Quelle: WikipediaUm erstmal zur Ruhe zu kommen, gönnte ich mir ein wunderbares Frühstück. Gott sei Dank hat man mein geliebtes Rühreifrühstück mit Scheiben vom Lachs wieder eingeführt! Ich hatte es so vermisst! Wenn es jetzt auch noch den gestrichenen zweiten Kaffee wieder gibt, dann wäre ich vollstens zufrieden. Aber ich hatte mein Frühstück und vor allem meinen Kaffee, da sieht die Welt erstmal wieder ganz anders aus. Also gemütlich mit einem guten Kaffee bei 300 km/h Reisegeschwindigkeit von München nach Nürnberg düsen und dabei die Autofahrer auf der A9 daneben auslachen… Hähähä :-D

Ich entschied mich dann, in Frankfurt(Main) Hbf auszusteigen und dort zu gucken, wie ich weiter fahre. Viel wollte ich ja eigentlich nicht mehr machen, das Ticket wollte nur einfach genutzt sein. Zeitvertreib letztlich :D

In Frankfurt blickte ich dann auf einen Abfahrtsplan, in der Hoffnung auf einen interessanten Zug. Den fand ich auch. Und zwar in Form einer “VIA” von Frankfurt von Neuwied über Wiesbaden, die rechte Rheinstrecke entlang, nach Niederlahnstein über den Rhein nach Koblenz, noch einmal über die Rhein zurück ans rechte Ufer nach Neuwied. 2,5h Fahrt durch das wunderschöne Rheintal, vorbei an der Loreley und mit Unverständnis immer wieder zu meiner Rechten auf die Gruppe von vier jungen Asiatinnen blickend, die, anstatt die schöne Fahrt zu genießen, lieber Karten gespielt haben. Naja, jedem das seine. Ich habe es so richtig genossen, eine traumhafte Strecke, mehr als nur zu empfehlen!

In Neuwied angekommen wurde mir eines bewusst: die Dichte der Güterzüge auf dieser Strecke ist echt unglaublich. Richtung Süden jagte dort ein Zug den anderen. Kaum ist der eine aus dem Bahnhof ausgefahren, schon ging das Signal wieder auf Fahrt. Ein Sonderzug kam dann zum Schluss der Kolonne auch noch durchgefahren. Gezogen von zwei wunderschönen alten Loks (müsste ich mal noch nachforschen) bestand der Zug aus einigen alten Bundesbahnwagen in dem schönen Farbkonzept “Ozeanblau-Beige”. Herrlich!

Mönchengladbach Hbf; Quelle: Wikipedia

Mönchengladbach Hbf; Quelle: Wikipedia

Ich wartete dann in Neuwied bei einem richtig krassen Regenschauer auf meinen Zug Richtung Köln. Ich wollte die rechte Rheinstrecke vollenden und bis Köln fahren. Von dort hatte ich an die Heimreise gedacht. Was kam? Ein RE der Linie 8 (ich finde das immer noch befremdlich, RE und RB-Zügen Liniennummern zu verpassen) nach Mönchengladbach. Hihi, da wohnt doch der Freund von einem Freund von mir aus Frankenthal bei Mannheim. Also gleich mal angeschrieben. Und mich dabei überzeugen lassen, bis nach Mönchengladbach durch zu fahren und die beiden zu besuchen. Hätte ich davor schon gewusste, dass es von Köln aus noch eine gute Stunde Fahrzeit ist, hätte ich es wohl nicht gemacht :D

Aber so habe ich denn wenigstens auch mal einen kleinen Rundgang durch das “Zentrum” von Mönchengladbach bekommen. Erstaunlich grün, wie ich feststellen musste! Meine Heimreise trat ich vom dortigen Hbf dann mit einer S-Bahn an, die mich nach Düsseldorf brachte. Diese Fahrt möchte ich vergessen, fragt bitte nicht, warum.

Der Düsseldorfer Hauptbahnhof ist zwar oberirdisch schon irgendwie “pfui”, das Untergeschoss allerdings eher sehr “hui”. Sehr modern alles gemacht, hat mich beeindruckt. Noch einen Happen zum Abendessen organisiert und schon kam auch mein ICE 615, der mich mit vielen Stunden Fahrt nach München bringen sollte. Soweit eine reibungslose Fahrt, interessante Fahrgäste durfte ich noch erleben, die in mein Abteil kamen und wieder gingen. Sehr herrlich fand ich dabei die sehr gute Verbindung über den Telekom Hotspot. Richtig schnell konnte ich hier hemmlungslos ohne jede Drosselung surfen. In Augsburg am Hbf abgefahren freute ich mich bereits auf den nächsten Halt: München-Pasing. Da wollte ich aussteigen, kurz auf meine S-Bahn warten und heim kommen.

Aber erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt, kennt man ja. Plötzlich kam ein mir bekanntes Gesicht an die Abteiltür. Nein, es war nicht der Schaffner, der zum x-ten Mal fragte, ob noch jemand zugestiegen sei. Nein, es war Hendrik (saxo_man hier im Blog). Nachdem ich das ja auch schon öfter getan habe, kam nun die Revenge und er überraschte mich im Zug. Was ihm definitiv auch gelang, damit hatte ich echt nicht gerechnet :D

Alles Weitere an diesem Abend verlief dann mehr als reibungslos. Dafür, dass ich mal nach Hamburg wollte, dann keine große Lust mehr auf Reisen hatte und trotzdem in Mönchengladbach gelandet bin: das war ein mehr als spannender Tag. Haha! :D

Adios, amigos!
Euer Benedikt

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