Retro-Fugger-Express

IMG_20130504_192225Samstag Morgen, halb sechs Uhr morgens. Ich stehe am Heimatbahnhof und warte auf meine RB 57067. Wie üblich eine Doppeltraktion 440. Unter der Woche fährt dieser Zug bei uns durch, dafür fährt ca. 10 Minuten vorher ein RE 57005, planmäßig mit 5 Dostowagen (inkl. Steuerwagen) und einer 111 bespannt (üblicherweise entweder aus dem Bw München oder Nürnberg gestellt, je nach Umlauf/Verfügbarkeit). Dieser Zug verkehrt allerdings nur unter der Woche so.

Ich sehe also daheim noch nach, ob mein Zug verspätet ist, oder ob ich pünktlich los gehen muss. Eine Verspätung von 4 Minuten wird mir kommuniziert. Vertretbar, so eilig habe ich es nicht, dass es mir auf 4 Minuten ankommt.

Das Ausfahrsignal Richtung München des Gleises springt auf Fahrt, die Durchsage kündigt die Einfahrt an. Und statt dem erwarteten Geheule, war ein “Zissssssssch” zu vernehmen. Völlig unerwartet blickte ich dem Zug entgegen und traute meinen Augen kam: es kam doch glatt eine Dosto-111-Garnitur angefahren. “Unglaublich, wie genial ist das denn?!”, dachte ich mir. Richtig genossen habe ich diese Fahrt und dabei eine verwunderte Entdeckung gemacht: er konnte die Fahrzeiten des eigentlich für den sprintstärksten und bis zu 160 km/h fahrenden 440 absolut halten. DIe Verspätung blieb konstant. Und dabei hat der Lokführer trotzdem einen angenehmen Fahrstil zu Tage geführt.

So beginnt der Tag gleich viel angenehmer. Man wird mit einem sanften, angenehmen Schaukeln in die Arbeit gefahren, statt im 440 durchgerüttelt zu werden und sich wie ein Cocktail in der Zubereitung zu fühlen.

Und so schön, wie der Tag begonnen hat, endete er nun auch mit meinem Feierabend. Welch ein Glück, dass sich mein Feierabendzug (RB 57042) im selben Umlauf befindet wie die Zugfahrt heute morgen. Was habe ich mich gefreut, dass genau die gleiche Garnitur wieder am Bahnsteig stand. So richtig retro kann man da heim fahren. Hach, ist das schön! Hoffentlich bleibt der Zug noch lange so im Umlauf.

An dieser Stelle möchte ich (auch, wenn ich weiß, dass es die BEG nicht wirklich interessieren wird, was einer von vielen Bloggern und Pendlern schreibt) mal meine Meinung sagen: hoch leben die Wagenzüge! Einen Zug aus 2x Einheiten der Baureihe 440 im morgenlichen Berufsverkehr auf die Schiene zu stellen, ist eine absolute Zumutung für den Fahrgast. Jede Sardinenbüchse grenzt dabei an ein Fünfsternehotel was die Raumverfügbarkeit anbelangt!

Liebe BEG, wenn ihr schon unbedingt Qualitätsverbesserungen durchsetzen wollt im Nahverkehr Bayerns (was ja im Grunde natürlich nur zu unterschreiben ist), dann tut das bitte dem Fahrgast entsprechend. Ich erlebe es regelmäßig, dass sich Mitreisende tierisch freuen, wenn mal ein Doppelstockwagen und viellecht sogar die wunderbarsten aller Wagen im Zug verkehren: Silberlinge (oder alternativ “Silberfische”)! Auf dem Blatt wirken die neuen Triebzüge und Triebwagen mit Sicherheit gut, aber was sie in der Praxis taugen, das kann nur der täglich fahrende Pendler beurteilen.

Aber was rege ich mich auf, ändern wird sich ja eh nichts. Ich genieße diese Fahrt in vollen Zügen (und dabei ist die Auslastung sehr angenehm). Meine Energie verwende ich sinnvoller. Und ich sagte auch mal, dass das kein Lästerblog ist ;)

Viele Grüße,
Benedikt

P.S.: Ja, ich weiß, das Foto ist nicht der Brüller. Aber das musste schnell gehen. Nicht nur, weil der Lokführer abfahren wollte, sondern auch, weil es regnete. Jedenfalls sieht man hier die außerplanmäßig eingesetzte 111 027 vom Bw München Hbf (ehemals Bw München 1) mit ihren 5 Anhängseln.

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