Eine spannende Heimfahrt

Ich schreibe viel zu selten! Das passiert mir nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Ecken… Aber es fehlt zur Zeit nicht nur die Zeit, sondern auch irgendwie der interessante und auch bahnrelevante Inhalt. Es geht hier in der Regel ums Bahnfahren, um besondere Erlebnisse – ob positiv oder auch mal negativ – oder einfach nur Interessantes und Wissenswertes.

Also ich hol mal bisschen Inhalt nach: Ich bin zur Zeit öfters in Berlin, Köln/Essen und Nürnberg, wohne aber weiterhin in meiner Heimatstadt. Schwalmstadt ist die ruhige Mitte der Bundesrepublik. Es ist hier wirklich ruhig, entspannt, man ist ganz gut angebunden und es gibt alles, was man braucht.

Ich lege in der Woche etwa 1.000 km bis 2.000 km Strecke auf der Schiene zurück. Dabei erlebt man einiges: Verspätungen, entspannte Reisen, etwas Zugschlaf, Geistesblitze und wie die Sonne im Herbst täglich früher das Weite sucht.

Gestern war es etwas komplizierter. Planmäßige Ankunft um 23:08 in Treysa. Tatsächliche Ankunft um etwa 0:45 oder 1:00 – ich bin mir nicht mehr so sicher.

Der Auftakt

Der ICE 697 von Berlin nach Kassel wurde ab Stendal über Magdeburg aufgrund eines Wildschweins, das zuvor von ICE 877 erwischt wurde, umgeleitet. Dadurch entstand eine Verspätung von fast 100 Minuten, zehn Minuten wurden aber immerhin wieder reingefahren.

Leider waren 90 Minuten doch noch zu viel. Die planmäßige Ankunft in Kassel-Wilhelmshöhe war 22:14, wir sind um 23:47 angekommen. Der RE in Richtung Treysa, Gießen, Frankfurt ist bereits um 22:29 gefahren. Die RegioTram in Richtung Treysa fuhr um 23:34.

Das Zugpersonal hatte angewiesen, dass Fahrgäste in Richtung Treysa, Marburg und Gießen sich am Service Point treffen sollen. Reisende in Richtung Frankfurt konnten den Ersatzzug vom ICE 877 nutzen. Dieser wartete noch auf Reisende des ICE 697.

Doch leider war am Service Point kein Personal mehr, dafür schon viele Taxifahrer.
Diese hatten dann einige auch aufgenommen und wohl auch befördert. So wie mich. Ich hatte im Zug vom Zugpersonal nur ein Fahrgastrechteformular bekommen. Scheinbar zu wenig, wie ich später rausfinden sollte.
Ich hatte meinen Taxifahrer vor Antritt der Fahrt mehrmals gefragt, ob das ausreichen würde, um nun doch noch an mein Ziel befördert zu werden.
Er konnte kaum deutsch, war sich unsicher, fragte dann noch seine Kollegen. Nach kurzer internen Diskussion mit seinen Kollegen antwortete er auf meine Frage, ob das denn jetzt das richtige Papier für die Fahrt auf Kosten der DB sei, dass alles passt und er mich jetzt fahren wird.
Okay. Ich hatte mich trotzdem nochmals durch Nachfragen versichern lassen und nochmals erwähnt, dass ich allerdings die Taxifahrt nicht zahlen werde, sondern er sich mit der DB arrangieren soll. Ich nahm an, er würde den Prozess kennen.
Er bestätigte nochmals, dass es so okay ist. Nun gut. Auf geht’s.

Da er kein Navi hatte oder seins nicht funktionierte, musste ich ihm den Weg nach Treysa schildern: Auf die Bundesautobahn A 49 Richtung Süden, komplett bis zum vorläufigen Ende durch und dann dort durch Neuental und Schwalmstadt-Allendorf nach -Treysa. Nach einer längeren Fahrt – und es dauert wirklich etwas, gerade durch die kurvige Gegend um Schwalmstadt – sind wir angekommen… Endlich!

Jetzt dachte ich, okay, du gibst ihm dein FGR-Formular, wünscht Gute Nacht und gehst dein Fahrrad beim Kumpel holen.

Der Hauptakt

Jaha, nichts da! Jetzt ging die eigentliche Diskussion um die Kosten los! Ich sollte nun selbst die kompletten 109 EUR zahlen und ich solle mich auch selbst darum kümmern, dass ich das Geld der DB wieder bekomme, denn ich wäre ja jetzt normal Taxi gefahren und hätte für die DB-Fahrt nicht die richtigen Unterlagen dabei… Hm, ahja, so war nicht der Deal.

Ich habe ihm dann erklärt, dass ich ihn extra vor Antritt der Fahrt gefragt hab, ob alles passen würde. Das hatte er mir auch oft genug bestätigt. Nichtsdestotrotz hielt die Diskussion weiterhin an. Er wollte meine persönlichen Daten, mir eine Rechnung schicken oder sowas in der Richtung. Ich hab ihn am Ende auch nicht mehr richtig verstehen, wo denn das Problem liegen würde. Ich hab mich dann darüber beschwert, dass er mir nicht vor Antritt der Fahrt sagen konnte, dass ich am Ende selbst zahlen müsse, weil es wohl doch die falschen Unterlagen sind.
Das war dann mir zu viel des Guten. Ich hab ihm meine Visitenkarte in die Hand gedrückt und sagte ihm, er soll mir eine Mail schreiben, falls er die Daten meines Anwalts wissen will. Gute Nacht. Das war mir jetzt endgültig zu blöd.

Der Entspurt

Er lies mich endlich gehen. Er war wohl auch genervt und auch müde von seinem Abend. So ging es mir jetzt auch. Super. Müde sowie richtig genervt holte ich noch schnell mein Fahrrad und begab mich auf den eigentlichen Endspurt: 5 km heimwärts radeln.

Zuhause hab ich noch um 1:30 noch eine Mail an den bahn.comfort-Service geschrieben und darin angemerkt, dass wohl in Kassel was richtig schiefgelaufen ist und sie bitte über den Service Point dem Taxifahrer irgendwie entgegen kommen sollen. Darüber hinaus hab ich den Wunsch geäußert, dass die Handhabe in Kassel auch irgendwie besser geregelt werden könnte.

Das vorläufige Ende?

Ich bin gespannt, ob ich noch was vom Taxifahrer hören werde. Der bc-Service hat sich auch noch nicht gemeldet. Ich würde gern auch wissen, was mit den anderen Fahrgästen, die noch nach Marburg und Gießen mussten, passiert ist. Ob die auch so einen Spaß am Ende hatten? Oder habe ich hier was falsch gemacht? Ich bin noch etwas ratlos von der letzten Nacht. “Leider” war das für mich auch das erste mal. Ich musste in meinen letzten fünf Jahren nicht einmal ein Hotel oder ein Taxi wegen Verspätung oder Ausfällen nehmen… Man muss wohl auch mal Pech haben.

Naja, so viel zu meiner interessanten Heimfahrt! Ich meld mich die Tage wieder. Ich fahr am Freitag über Frankfurt noch nach Bonn. In geheimer Spezialmission unterwegs. :)

PS: Ich habe noch u.A. eine Fahrt nach Berchtesgaden auf meiner ToDo-Liste. Im Dezember ist wieder Reisen extrem angesagt und ich freu mich auf paar interessante Strecken, die ich noch auswählen werde. Vielleicht sieht man sich!

 

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