Verwirrung in München

Es ist soweit: der “Wettbewerb” (die Anführungszeichen sind mit vollster Absicht gesetzt) im innerdeutschen Regionalverkehr hat es mal wieder geschafft, den Kunden vollends zu verwirren – dabei soll er doch alles für ihn besser machen. Haha, dass ich nicht lache.

Wovon ich rede? Vom Meridian. Diese Zugleistungen (im Übrigen tragen sie als Abkürzung nicht RE/RB etc. sondern “M” – ich scherze dabei immer mit Militärzügen, ist genauso dort) werden von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH erbracht, einem Tochterunternehmen des französischen Konzerns “Veolia” – ihr wisst schon, alles was so weiß, gelb, blau angefahren kommt gehört da dazu.

Zum letzten Fahrplanwechsel im Dezember 2013 hat der Meridian nun also seinen Betrieb aufgenommen auf der Strecke München – Rosenheim – Salzburg (zumindest ist das die wichtigste des Netzes). Sehr zum Leid von DB Regio natürlich, es herrscht sehr hohes und somit ertragreiches Fahrgastaufkommen dort. Zumindest in der Theorie ist der Betrieb angelaufen. Letztendlich sind nur ganz wenige, wenn auch immer mehr, Meridian-FLIRTS (vom Hersteller Stadler) unterwegs. Aushilfe bekommt man von allen Seiten: DB Regio, S-Bahn München, metronom, ODEG, Vogtlandbahn, ÖBB und ich meine sogar Fahrzeuge der Prignitzer Eisenbahn. Es sind jedenfalls auf allen dieser Ersatzgarnituren Aufkleber vom Meridian drauf. Jedes noch so kleine DB-Logo auf den Loks und Wagen wurde damit überklebt. Der Fahrgast sieht natürlich trotzdem: DB, ganz klar, diese Fahrzeuge sind ja vorher auch schon da gefahren. Oft fragte man sich am Bahnsteig: “ich dachte, die Bahn fährt da jetzt nicht mehr?”

Viel mehr Verwirrung schaffte man allerdings mit einer ganz anderen Sache zu stiften: man brauchte ja unbedingt eigene Fahrkartenautomaten. Mit Fahrplanwechsel konnte man diese dann auch bedienen und nicht nur anschauen. Das doofe an der Sache: sie stehen in der Regel direkt nebeneinander. Meine Befürchtung, dass das die Fahrgäste nur verwirrt, hat sich bewahrheitet. Es hat nur ca. 1-2 Wochen gedauert und schon klebte auf jedem DB-Automaten ein dicker gelber Aufkleber. Und auf den meisten gelben Merdian-Automaten ein viel billiger gemachter Hinweis, dass es hier auch DB-Fahrkarten gäbe. Zu sehen im Bild:

München Hauptbahnhof: Zwei Automaten - Eine Verwirrung

München Hauptbahnhof: Zwei Automaten – Eine Verwirrung

Bevor es jetzt hier Moserer gibt nach der Art “Meh, nur weil du bei der DB bist, musst du die Konkurrenz nicht fertig machen”, sag ich gleich: lasst es. Ich weiß sehr wohl, wie die Situation ist. Natürlich finde ich es schade, dass mein Konzern nicht mehr dort fahren darf. Aber mir tun in erster Linie die Fahrgäste auf diesen Strecken leid. Weil es die neuen einfach nicht hinbekommen haben. Wie so fast überall eigentlich, wo die DB als Betreiber abgelöst wird.

Wettbewerb schön und gut. Die dämliche EU schreibt das ja leider vor. Aber sowas geht doch voll am Kunden vorbei. Wenn der Start nicht einwandfrei klappen wird, dann muss man eben dafür Sorge tragen, dass der Fahrgast, der das komplette System letztlich mitfinanziert nicht der Leidtragende wird. Leider hat die liebe BEG aber offensichtlich nicht genügend Eier in der Hose (entschuldigt die Ausdrucksweise, aber das ist leider genau das, was ich denke), da hart durchzugreifen und zu sagen: dann eben nicht! Und sich sofort nach einer Alternative umsehen, damit das auf jeden Fall läuft.

Ohnehin kann dabei nicht von Wettbewerb die Rede sein, wie das aktuell vor allem in Bayern umgesetzt wird. In manchen Fällen steht ja schon bei Beginn der Ausschreibung fest: die DB wird da nicht mehr fahren, ein Wechsel ist politisch gewollt. Es gilt dann nur noch Gründe zu finden, warum man sich für einen anderen entscheidet. Sehr schön zu sehen war das bei der neuerlichen Ausschreibung des Oberlandnetzes (was ja aktuell noch von der BOB betrieben wird): die BEG hatte in der Ausschreibung festgelegt, dass der neue Betreiber die Fahrzeuge übernehmen muss. Die BOB hat sich natürlich weiterhin wieder darauf beworben, man betreibt es ja schon und kennt sich aus. Nichts dagegen einzuwenden. Von mir aus dürfen sie das auch. Wegen fehlender für die DB wichtige Nachweise zu den Fahrzeugen war es DB Regio allerdings ein zu unsicheres Geschäft und man zog sich freiwillig zurück und verzichtete auf eine Bewerbung. Klar, bevor es zu einem Verlustgeschäft wird, gibt man lieber klein bei, kann ich gut nachvollziehen. Und plötzlich wird von Seiten der BEG gewünscht, dass sich die DB doch bitte wieder bewerben solle, man werde sich die Ausschreibung noch einmal im Wortlaut durch den Kopf gehen lassen.

Mal ernsthaft: was soll das? Sieht man uns gerne verlieren?

Wie auch immer. Der Beitrag ist jetzt zum Schluss eindeutig an seinem Ziel vorbei geschossen. Aber ich denke, ich kann hier einfach mal mit Presse- und Meinungsfreiheit argumentieren: ich sehe das eben so. Ich bin mit Wettbewerb grundsätzlich einverstanden, aber nicht auf diese Weise. Wozu hatte man damals die Reichsbahn gegründet Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts? Um diesem ganzen Chaos von lauter kleinen Bahnen ein Ende zu setzen und Einheitlichkeit unter der staatlichen Hand zu schaffen. Ich will damit nicht beschönigen, dass auch die Bundesbahn-Zeiten tadellos waren – man hatte genug schulden. Aber es war kundenorientiert. Alles einheitlich. Eine Fahrkarte, ein Bild etc. Ich sehe das mehr so, dass wir gerade wieder auf das genaue Gegenteil zusteuern. Kuddelmuddel ohne Ende, für den Fahrgast immer schwerer zu verstehen.

Genug gelästert, bis dann! ;)

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